Abgelegene Orte finden: Rückzugsort für Biwak und Notfall

Einen Ort zu kennen, an dem stundenlang keine Straße, kein Haus und kein Mensch ist – das reizt viele Prepper und Outdoor-Fans. Im Englischen heißt so ein Ausweichziel Bug-Out-Location: der Rückzugsort, zu dem du dich mit deinem Fluchtrucksack durchschlagen würdest. Für eine Nacht unter dem Tarp, für eine Übungstour oder einfach für Ruhe.

In diesem Ratgeber erfährst du, wie du abgelegene Orte in Deutschland, Österreich und der Schweiz findest, woran du einen brauchbaren Platz erkennst und welche Regeln für Biwak und Zelten gelten. Und wir sagen ehrlich, wofür ein einsamer Punkt im Wald taugt – und wofür nicht.

Die Rechtslage zu Biwak und Zelten ist in DE, AT und CH sehr unterschiedlich und ändert sich. Die Angaben in diesem Ratgeber haben den Stand Oktober 2026 und sind keine Rechtsberatung.

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Inhaltsverzeichnis


Rückzugsort im Notfall: ehrlich eingeordnet

Bevor du Karten studierst: Für die meisten Menschen ist die realistische Bug-Out-Location kein einsamer Punkt im Wald, sondern ein Ort mit Dach – bei Verwandten oder Freunden, in einer anderen Region, im Idealfall mit eigenem Vorrat. Wer mit Kindern, älteren Angehörigen oder Haustieren plant, kommt im Wald nicht weit. Das BBK empfiehlt vor allem einen Vorrat für zu Hause; einen Vorrat dafür planst du mit unserem Notvorrat-Rechner.

Abgelegene Orte in der Natur haben trotzdem ihren Platz:

  • Übung: Wer einmal mit Rucksack, Tarp und Wasserfilter eine Nacht draußen war, weiß, was in der Packliste fehlt.
  • Mikroabenteuer und Biwak: eine Nacht unter freiem Himmel – dort, wo es erlaubt ist (siehe unten).
  • Ausweichziel für Einzelpersonen: als kurzfristiger Zwischenhalt, nicht als Familienplan für Wochen.

Plane deshalb zweistufig: Plan A ist ein fester Ort mit Dach, Plan B ein Platz in der Natur, den du kennst, weil du schon dort warst.


Woran erkennst du einen guten abgelegenen Ort?

Abgelegen allein reicht nicht. Ein Platz, an dem du eine Nacht oder länger bleiben willst, muss mehrere Kriterien erfüllen:

Gibt es Wasser in der Nähe?

Ein Bach oder Quellbach in Gehweite spart Gewicht im Rucksack. Wasser aus der Natur immer aufbereiten – wie das geht, steht in Wasser filtern in der Wildnis. Direkt am Ufer zu schlafen ist dagegen keine gute Idee: Kaltluft, Feuchtigkeit, Mücken und bei Starkregen steigende Pegel.

Bietet der Ort Schutz vor Wetter?

Achte auf Windschutz (Geländekante, dichter Jungwald), ebenen Boden und eine Lage, in der sich bei Regen kein Wasser sammelt. Meide Senken (Kaltluftseen) und exponierte Kuppen (Wind, Blitz). Unter Bäumen auf abgestorbene Äste achten.

Ist der Ort zu Fuß erreichbar?

Rechne mit deinem Tempo samt Gepäck – realistisch eher 3 als 5 km pro Stunde, im Gelände weniger. Prüfe, ob du den Ort auch bei Dunkelheit oder Schnee erreichst, und plane mindestens zwei Zu- und Abwege.

Wie weit ist die nächste Straße – und wie weit die Rettung?

Je weiter weg von Straßen, desto ruhiger. Aber auch: desto länger braucht Hilfe. Ein Punkt, der eine Stunde Fußmarsch vom nächsten Forstweg entfernt ist, ist bei einer Verletzung ein ernstes Problem.

Hast du Mobilfunk?

Viele abgelegene Täler haben keinen Empfang. Prüfe die Netzabdeckung vorab auf den Karten der Anbieter und teste vor Ort. Den Euro-Notruf 112 kann dein Handy über jedes verfügbare Netz absetzen, auch ohne eigene SIM-Abdeckung – aber nur, wenn überhaupt ein Netz da ist.

Ist der Ort unauffällig?

Ein guter Platz liegt abseits von Wanderwegen, Hochsitzen und Holzlagerplätzen. Das schützt dich vor Störung und die Natur vor Trampelpfaden.


So findest du abgelegene Orte auf der Karte

Die klassische Methode: topografische Karte (1:25.000 oder 1:50.000) und Geduld. Suche große Waldflächen ohne eingezeichnete Wege, Hänge abseits der Täler und Gebiete zwischen Straßen, die weit auseinanderliegen. Digitale Kartendienste auf Basis von OpenStreetMap zeigen auch Forst- und Feldwege, die in Straßenkarten fehlen – die sind wichtig, denn ein Forstweg mit Holzabfuhr ist morgens um sechs nicht einsam.

Abgelegene Orte automatisch berechnen lassen

Schneller geht es mit offgrid-orte.de, unserem eigenen Tool. Es berechnet auf Basis von OpenStreetMap-Daten die Punkte, die am weitesten von der nächsten Straße entfernt sind, und zeigt sie auf der Karte:

  • Suchzentrum per Klick auf die Karte, dann Suchradius und Filter wählen (Höhe, in der Pro-Version auch Waldbedeckung, Nähe zu Gewässern und ein Wanderwege-Modus)
  • Ergebnis: eine Liste von Spots mit Koordinaten, Export als CSV, in der Pro-Version auch als GPX und GeoJSON fürs GPS-Gerät
  • Abgedeckt sind laut Website die Schweiz, Österreich, Liechtenstein und die deutschen Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Sachsen, Thüringen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen (Stand Oktober 2026)

Die Grundfunktionen (bis 5 km Radius, 10 Spots) sind kostenlos, die Pro-Version kostet einmalig 5 € – kein Abo.

Wichtig: Das Tool prüft keine Schutzgebiete und keine lokalen Regeln. Jeder gefundene Punkt ist nur ein Kandidat. Ob du dort sein, übernachten oder Feuer machen darfst, musst du selbst prüfen – wie, steht im nächsten Abschnitt.

Vor Ort prüfen

Kein Platz ist «gefunden», bevor du bei Tageslicht dort warst. Prüfe Untergrund, Hangneigung, Wasser, Empfang und Zugang – und ob der Ort wirklich so ruhig ist, wie die Karte verspricht.


Abgelegen heißt nicht erlaubt: Schutzgebiete prüfen

Gerade die einsamsten Flächen sind oft geschützt: Nationalparks, Naturschutzgebiete, Kernzonen von Biosphärenreservaten, Wildruhezonen und Jagdbanngebiete. Dort gelten strenge Betretungs- und Übernachtungsverbote, teils ganzjährig, teils nur im Winter oder während der Brut- und Setzzeit. Dazu kommen Privatgrund und Waldbrand-Warnstufen mit Feuerverbot.

So prüfst du einen Punkt:

  • Deutschland: Die Karte «Schutzgebiete in Deutschland» des Bundesamts für Naturschutz (geodienste.bfn.de/schutzgebiete) zeigt Nationalparks, Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete. Details und Verordnungen stehen in den Umweltkarten der Länder, z. B. der Umweltkarte Niedersachsen.
  • Österreich: Schutzgebiete stehen in den GIS-Portalen der Bundesländer (z. B. tiris in Tirol, SAGIS in Salzburg). Für Regeln zum Campen verweist oesterreich.gv.at auf die Landesgesetze.
  • Schweiz: Wildruhezonen und Wildtierschutzgebiete findest du über wildruhezonen.ch des BAFU und auf map.geo.admin.ch; kantonale und kommunale Naturschutzgebiete auf den kantonalen Geoportalen.

Steht dein Punkt in einem Schutzgebiet: weitersuchen. Das ist nicht nur eine Rechtsfrage – Wildtiere, die nachts aufgeschreckt werden, verbrauchen im Winter überlebenswichtige Energie.


Darf ich dort übernachten? Biwak und Zelten in DE, AT und CH

Stand Oktober 2026, keine Rechtsberatung. Die Regeln unterscheiden sich nach Land, Bundesland, Kanton und Gemeinde – vor einer Tour immer die aktuelle Lage vor Ort prüfen.

Zwei Begriffe vorweg: Zelten heißt mit Zelt oder Tarp-Aufbau. Biwak heißt im Schlafsack oder Biwaksack ohne Zelt. Ein Notbiwak ist eine ungeplante Übernachtung, weil Wetter, Verletzung oder Dunkelheit dich zwingen. Ein geplantes Biwak wird in vielen Regionen rechtlich wie Zelten behandelt (DAV, «Übernachten am Berg», Stand Mai 2026).

Deutschland

Das Betreten von Wald und freier Landschaft zur Erholung ist erlaubt (§ 14 Bundeswaldgesetz, § 59 Bundesnaturschutzgesetz), die Details regeln die Länder. Zelten im Wald ist praktisch überall ohne Erlaubnis des Eigentümers verboten – so der Deutsche Alpenverein: «Campieren – im Wald und außerhalb – ist in Deutschland ohne Erlaubnis des Grundbesitzers verboten.» In Nationalparks und Naturschutzgebieten ist Übernachten grundsätzlich tabu.

Ausnahmen: In Brandenburg dürfen Wanderer, Radfahrer und Paddler laut Landesrecht für eine Nacht in der freien Landschaft zelten (nicht auf Privatgrund wie Gärten oder Hofflächen). In Mecklenburg-Vorpommern gilt Ähnliches außerhalb von Schutzgebieten, aber mit Erlaubnis des Eigentümers. Ein Biwak ohne Zelt für eine Nacht wird außerhalb von Schutzgebieten vielerorts geduldet, ein Recht darauf gibt es nicht (Bergzeit Magazin, Stand Dezember 2023). Legal und unkompliziert sind Trekkingplätze, etwa im Pfälzerwald, im Schwarzwald oder in der Eifel – einfache Lagerplätze im Wald, meist online buchbar.

Österreich

Im Wald ist Zelten österreichweit verboten, außer der Waldeigentümer stimmt zu: «eine „Benutzung“ des Waldes durch z.B. Lagern bei Dunkelheit oder Zelten ist jedoch ausdrücklich verboten» (oesterreich.gv.at, Stand März 2026). Außerhalb des Waldes regeln die Bundesländer und Gemeinden das Campieren unterschiedlich. Laut Bergwelten (Juli 2025) ist es etwa in Tirol (Tiroler Campinggesetz), Kärnten und Niederösterreich außerhalb bewilligter Plätze verboten; in der Steiermark und in Oberösterreich gilt Ödland oberhalb der Baumgrenze als frei zugänglich, in Salzburg und Vorarlberg ist Campieren nicht grundsätzlich verboten, kann aber per Gemeindeverordnung untersagt sein. Erlaubt ist überall das Notbiwak.

Schweiz

Wald und Weide sind grundsätzlich für alle zugänglich (Art. 699 ZGB), Kantone und Gemeinden können aber einschränken. Laut Merkblatt des Schweizer Alpen-Clubs SAC ist eine einzelne Übernachtung einer kleinen Gruppe oberhalb der Waldgrenze in der Regel unproblematisch, wenn sie rücksichtsvoll erfolgt. Verboten ist freies Campieren im Schweizerischen Nationalpark, in eidgenössischen Jagdbanngebieten, in vielen Naturschutzgebieten und in Wildruhezonen während der Schutzzeit. Den Bereich der oberen Waldgrenze empfiehlt der SAC als ökologisch sensibel zu meiden. Ein Notbiwak ist grundsätzlich erlaubt.

Feuer

Auch für ein Lagerfeuer brauchst du in Deutschland in der Regel die Erlaubnis des Eigentümers, in Schutzgebieten ist es verboten. Bei Waldbrandgefahr gelten in allen drei Ländern zusätzliche Feuerverbote. Für die Nacht im Biwak ist ein kleiner Kocher die bessere Wahl.


Sicherheit: abgelegen, aber nicht verschollen

  • Route hinterlassen: Sag einer Person, wo du hinwillst, welchen Weg du nimmst und wann du spätestens zurück bist. Vereinbare, was sie tut, wenn du dich nicht meldest.
  • Wetter prüfen: Viele abgelegene Punkte liegen in AT und CH im Hochgebirge. Gewitter, Wetterstürze und früher Schnee sind dort lebensgefährlich. Prüfe die Bergwetterprognose und plane einen Umkehrpunkt.
  • Gelände realistisch einschätzen: Ein Punkt, der auf der Karte nah wirkt, kann hinter einem steilen Hang oder Bachtobel liegen. Im Zweifel bei Tageslicht erkunden.
  • Strom und Navigation: Offline-Karten aufs Handy laden, eine Powerbank oder ein Solarladegerät mitnehmen und Karte und Kompass als Backup dabeihaben.
  • Ausrüstung: Mindestens Wetterschutz (Tarp oder Biwaksack), warme Kleidung, Stirnlampe, Erste-Hilfe-Set und Wasseraufbereitung. Was in einen Notfallrucksack gehört, berechnet unser Bug-Out-Bag-Rechner.

Teile keine Koordinaten deiner Lieblingsplätze öffentlich. Ruhige Orte bleiben nur ruhig, wenn sie nicht in jeder App auftauchen – und das schützt auch die Tiere, die dort leben.


Häufige Fragen (FAQ)

1. Wie finde ich abgelegene Orte in Deutschland?

Mit topografischen Karten oder OpenStreetMap-basierten Kartendiensten große Wald- und Bergflächen suchen, die weit von Straßen und Forstwegen entfernt sind. Tools wie offgrid-orte.de berechnen solche Punkte automatisch. Danach immer prüfen, ob der Ort in einem Schutzgebiet liegt, und ihn bei Tageslicht vor Ort ansehen.

2. Was ist eine Bug-Out-Location?

Eine Bug-Out-Location ist ein vorher festgelegter Rückzugsort, zu dem man sich in einer Krise zurückzieht. Für die meisten ist das realistisch ein Haus von Verwandten oder Freunden in einer anderen Region. Ein abgelegener Platz in der Natur taugt eher als kurzfristiges Ausweichziel für Einzelpersonen und für Übungstouren.

3. Ist Biwakieren in Deutschland erlaubt?

Zelten ist in Deutschland fast überall nur mit Erlaubnis des Grundeigentümers erlaubt, in Naturschutzgebieten und Nationalparks gar nicht. Ein Biwak ohne Zelt für eine Nacht wird außerhalb von Schutzgebieten vielerorts geduldet, ein Recht darauf gibt es aber nicht. Legal sind Trekkingplätze und in Brandenburg eine Nacht im Zelt für Wanderer (Stand Oktober 2026, keine Rechtsberatung).

4. Darf man in der Schweiz oberhalb der Waldgrenze übernachten?

Laut Schweizer Alpen-Club ist eine einzelne Übernachtung einer kleinen Gruppe oberhalb der Waldgrenze in der Regel unproblematisch, sofern sie außerhalb von Schutzgebieten liegt. Verboten ist es im Nationalpark, in Jagdbanngebieten, in vielen Naturschutzgebieten und in Wildruhezonen während der Schutzzeit. Kantone und Gemeinden können weitere Regeln haben (Stand Oktober 2026).

5. Darf man in Österreich im Wald zelten?

Nein, Zelten und Lagern bei Dunkelheit im Wald sind in ganz Österreich verboten, außer der Waldeigentümer stimmt zu. Außerhalb des Waldes regeln die Bundesländer das Campieren unterschiedlich – in Tirol, Kärnten und Niederösterreich ist es außerhalb bewilligter Plätze verboten. Ein Notbiwak ist erlaubt (Stand Oktober 2026).

6. Was ist der Unterschied zwischen Notbiwak und Biwak?

Ein Notbiwak ist eine ungeplante Übernachtung im Freien, weil Wetter, Verletzung oder Dunkelheit das Weitergehen verhindern – es ist in DE, AT und CH grundsätzlich erlaubt. Ein geplantes Biwak wird dagegen in vielen Regionen rechtlich wie Zelten behandelt und ist dort ohne Erlaubnis verboten.

7. Zeigt offgrid-orte.de auch Schutzgebiete an?

Nein. offgrid-orte.de berechnet Punkte mit großem Abstand zu Straßen auf Basis von OpenStreetMap, prüft aber keine Schutzgebiete und keine lokalen Regeln. Jeden Punkt deshalb selbst auf den Schutzgebietskarten des Bundesamts für Naturschutz, der österreichischen Bundesländer oder auf wildruhezonen.ch prüfen.


Fazit

Abgelegene Orte zu finden ist dank OpenStreetMap und Tools wie offgrid-orte.de einfacher denn je. Die eigentliche Arbeit kommt danach: Schutzgebiete prüfen, die Regeln des Landes kennen und den Platz bei Tageslicht ansehen. Für eine Nacht im Biwak sind Trekkingplätze in Deutschland und Plätze oberhalb der Waldgrenze in der Schweiz die unkompliziertesten Optionen.

Als Krisenplan gilt: Plan A ist ein Ort mit Dach, Plan B ein Platz in der Natur, den du schon kennst. Für beides brauchst du die richtige Ausrüstung:

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